
Joséphine Sagna
Joséphine Sagna (*1989 in Stuttgart) rückt schwarze Frauen ins Zentrum ihrer Malerei. In den großformatigen Arbeiten der heute in Biarritz lebenden Künstlerin treten Körper und Gesichter aus leuchtenden Farbfeldern, mehrfach gesetzten Konturen und sichtbaren Schriftspuren hervor. Ihre Figuren erwidern den Blick der Betrachtenden und entziehen sich eindeutigen Zuschreibungen. So erscheint schwarze Weiblichkeit nicht als festgelegte Identität, sondern als vielschichtige Erfahrung von Selbstbestimmung, Verletzlichkeit, Wut und Freude.
DIE FREIHEIT, ZU SEIN

Im Mittelpunkt der Arbeiten von Joséphine Sagna stehen Schwarze Frauen und ihre Erfahrungen in einer weißen Mehrheitsgesellschaft. Ihre großformatigen Porträts und Ganzfiguren begegnen den Betrachtenden unmittelbar. Sie senken den Blick nicht, sondern behaupten ihre Präsenz und den Raum, den sie einnehmen. Dabei geht es Sagna nicht darum, einzelne Personen abzubilden. Ihre Figuren stehen für unterschiedliche Facetten Schwarzer Weiblichkeit und für das Recht, sich selbst zu definieren.
Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Auseinandersetzung ist die Spannung zwischen Selbstwahrnehmung und äußerer Zuschreibung. Sagna beschäftigt sich mit strukturellem Rassismus, Alltagsrassismus, westlichen Schönheitsnormen und den Erwartungen, die an Schwarze Frauen herangetragen werden. Ihre Kunst richtet sich gegen vereinfachende Vorstellungen von Stärke und gegen den Versuch, Menschen auf Herkunft, Hautfarbe oder gesellschaftliche Rollen zu reduzieren.
Gleichzeitig versteht Sagna ihre Werke nicht ausschließlich als Anklage oder Aufklärung. Während sie mit ihrer früheren Malerei vor allem auf Missstände aufmerksam machen wollte, rückt heute das Empowerment stärker in den Mittelpunkt. Ihre Bilder feiern Schwarze Frauen in ihrer gesamten Vielschichtigkeit. Stärke darf neben Verletzlichkeit stehen, Wut neben Freude, Selbstbewusstsein neben Unsicherheit. Die dargestellten Frauen müssen nichts erklären oder beweisen. Sie dürfen einfach sein.

Diese inhaltliche Vielschichtigkeit findet ihre Entsprechung in Sagnas Malweise. Acryl, Öl, Sprühfarbe, Tusche, Kreide und Marker verbinden sich in zahlreichen Schichten. Zeichnungen, Farbflächen, Schriftfragmente und spontane Gesten überlagern und durchdringen einander. Sichtbare Linien und Spuren des Arbeitsprozesses verleihen jedem Werk eine unverwechselbare Energie. Die Figuren entstehen zwischen Kontrolle und Intuition, zwischen präziser Setzung und freier Bewegung.
Als Ausgangsmaterial dienen Sagna häufig fotografische Selbstinszenierungen Schwarzer Frauen aus den sozialen Medien. Die Künstlerin löst diese Bilder aus der Schnelllebigkeit des digitalen Raums und überführt sie in die Dauerhaftigkeit der Malerei. Dabei verbindet sie unterschiedliche Vorlagen und entwickelt neue Figuren, die keine konkreten Personen porträtieren, sondern eigenständige Persönlichkeiten verkörpern.
Farbe besitzt in ihren Arbeiten eine besondere Bedeutung. Leuchtende Pink-, Gelb-, Rot- und Blautöne treffen auf dunkle Flächen, expressive Linien und fragmentierte Konturen. Die farbliche Intensität erzeugt eine unmittelbare physische Präsenz und trägt zugleich die emotionale Spannung der Werke. Freude und Wut werden dabei nicht als Gegensätze verstanden, sondern als gleichwertige Kräfte.
Joséphine Sagnas Arbeiten behaupten sich im Raum. Ihre Größe, Farbigkeit und direkte Ansprache schaffen eine Wirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Hinter dieser visuellen Kraft steht eine klare Haltung: Schwarze Frauen sind mehr als die Klischees, die sie umgeben. Sie besitzen das Recht, sichtbar zu sein, Raum einzunehmen und ihre eigene Geschichte zu erzählen. Darin entwickelt Sagna eine eigenständige zeitgenössische Position, in der politische Aussage, persönliche Erfahrung und malerische Energie untrennbar miteinander verbunden sind.

Biografie
Joséphine Sagna wurde 1989 in Stuttgart geboren und wuchs in Ulm auf. Ihre deutsch-senegalesischen Wurzeln und das Aufwachsen zwischen unterschiedlichen kulturellen Perspektiven prägen ihre Auseinandersetzung mit Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Wahrnehmung.
2012 schloss Sagna ihr Studium der Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien Stuttgart ab. Anschließend studierte sie Modedesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und erwarb 2019 ihren Bachelorabschluss. Parallel zu Studium und Beruf entwickelte sie ihre malerische Praxis autodidaktisch und formte sie seit ihrer ersten Ausstellung 2016 zu einer eigenständigen künstlerischen Position. Die Verbindung von Malerei und Mode ist bis heute Bestandteil ihres Schaffens. Heute lebt und arbeitet Joséphine Sagna in Biarritz.
Ihre Werke wurden unter anderem im Märkischen Museum Witten, im Kunstverein Bamberg, im Urban Nation Museum Berlin, im Museum Ostwall in Dortmund sowie in Museen in Atlanta und Santiago de Chile präsentiert. Seit 2023 ist sie regelmäßig mit Solo-Präsentationen auf der art KARLSRUHE vertreten.
Arbeiten von Joséphine Sagna befinden sich unter anderem in der Artothek des Deutschen Bundestages, im Museum Ostwall, im Urban Nation Museum und in den Städtischen Museen Paderborn sowie in Privatsammlungen.
Nach der gemeinsamen Ausstellung „WeBling“ im Jahr 2024 präsentieren die BEGE Galerien Joséphine Sagna und Wendoly Monteiro da Costa 2026 erneut gemeinsam in „WeBlingBling“.
Kunstwerke Joséphine Sagna


