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Julian
Voss-Andreae

Der in Hamburg geborene Bildhauer Julian Voss-Andreae lebt und arbeitet heute in Portland, Oregon. Nach einem Studium der Physik und Philosophie führte ihn sein Weg von der Quantenforschung zur Bildhauerei. Seine Skulpturen verbinden Erkenntnisse der modernen Physik mit einer unverwechselbaren zeitgenössischen Formensprache und eröffnen neue Perspektiven auf Wahrnehmung, Raum und Wirklichkeit.

Physics of forms –
Von der Quantenphysik zur Skulptur

Julian Voss-Andreae Skulptur

Kunst und Physik sind die beiden zentralen Bezugspunkte im Schaffen von Julian Voss-Andreae. Schon früh interessierte er sich gleichermaßen für wissenschaftliche Fragestellungen und künstlerische Ausdrucksformen. Nach seinem Studium der Physik und Philosophie arbeitete er in der Forschungsgruppe des späteren Nobelpreisträgers Anton Zeilinger an Experimenten zur Quantenphysik. Die dort gewonnenen Erfahrungen wurden zu einem wichtigen Ausgangspunkt seiner späteren Arbeit als Bildhauer.

Die moderne Physik beschreibt Materie nicht ausschließlich als feste Substanz, sondern als ein System von Möglichkeiten, Beziehungen und Wahrscheinlichkeiten. Was wir als Realität wahrnehmen, erscheint dabei weniger eindeutig und stabil, als es unsere Alltagserfahrung vermuten lässt. Diese Erkenntnis wurde für Voss-Andreae zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Fragestellung: Wie lässt sich eine Wirklichkeit sichtbar machen, die sich unserer unmittelbaren Wahrnehmung entzieht?

Aus dieser Auseinandersetzung entstanden zunächst Werkgruppen wie die Quantum Sculptures, die Protein Sculptures und die Buckyball Sculptures. Wissenschaftliche Modelle dienten dabei nicht als Vorlagen im klassischen Sinn, sondern als Ausgangspunkte für skulpturale Untersuchungen über Form, Struktur und die verborgenen Ordnungen der Natur. Inspiriert von Molekülen, Proteinstrukturen und Quantenphänomenen entwickelte Voss-Andreae eine eigenständige Bildsprache, die wissenschaftliche Erkenntnisse in sinnlich erfahrbare Kunst übersetzt.

International bekannt wurde er insbesondere durch seine Invisible Sculptures. Die aus parallel angeordneten Edelstahlplatten aufgebauten Figuren verändern ihre Erscheinung mit jeder Bewegung des Betrachters. Aus einer Perspektive wirken sie körperhaft und präsent, aus einer anderen lösen sie sich nahezu vollständig im Raum auf. Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Materie und Leere, Präsenz und Auflösung werden zu Bestandteilen derselben Skulptur.

Voss-Andreaes Arbeiten sind keine wissenschaftlichen Illustrationen. Sie laden vielmehr dazu ein, über die Beziehung zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit nachzudenken. Seine Skulpturen machen erfahrbar, dass die Welt oft komplexer, vielschichtiger und zugleich faszinierender ist, als sie auf den ersten Blick erscheint.

Biografie

Julian Voss-Andreae wurde 1970 in Hamburg geboren. Nach seinem Studium der Physik an der Freie Universität Berlin und der University of Edinburgh arbeitete er in Wien in der Forschungsgruppe von Anton Zeilinger. Dort war er an wegweisenden Experimenten beteiligt, die zeigten, dass selbst vergleichsweise große Moleküle quantenmechanische Eigenschaften besitzen können.

Anschließend studierte Voss-Andreae Bildhauerei am Pacific Northwest College of Art in Portland, Oregon, wo er bis heute lebt und arbeitet.

Seine Skulpturen wurden weltweit in Museen, öffentlichen Sammlungen, Universitäten und privaten Kollektionen gezeigt. Arbeiten befinden sich unter anderem auf dem Campus führender Forschungsinstitutionen sowie in bedeutenden privaten Kunstsammlungen. Mit seinen monumentalen Edelstahlskulpturen zählt Julian Voss-Andreae heute zu den international profiliertesten Künstlern an der Schnittstelle von zeitgenössischer Kunst und Wissenschaft.

Skulpturen Julian Voss-Andreae

Sprinter (2020), Austenitischer Edelstahl, 247 x 90 x 153 cm, France © Héloise Peyere
Four monumental portrait busts (Four Siblings) (2021), Austenitischer Edelstahl, 276 x 139 × 164 cm, Mexico

Samantha (2016), Edelstahl und im Brennofen geformtes farbiges Glas, 251 × 76 × 55 cm, Jackson Hole, Wyoming
Samantha in the Meadows (2017), Gegossene und bearbeitete Bronze mit Patina, 307 × 106 x 81 cm, Jackson Hole, Wyoming
BEGE Galerien Skulpturenplatz @ ArtKarlsruhe 2025
Contemplaion (2025), Austenischer Edelstahl, H 370 cm x B 100 cm x T 112 cm, 1.600 KG
BEGE Galerien Skulpturenplatz @ ArtKarlsruhe 2025